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Erschöpfung und Müdigkeit ganzheitlich behandeln

Erschöpfung und Müdigkeit sind ein häufiges Phänomen in der hausärztlichen Praxis. Die Ursachen dieser Beschwerden sind in der Regel vielfältig.

Wichtig ist zunächst der Ausschluss einer schwerwiegenden Allgemeinerkrankung, z.B. einer chronischen Entzündung, einer Leber- oder Krebserkrankung. Weiter sollte nach hormonellen Störungen (v.a. eine Schilddrüsenunterfunktion und ein Progesteron-Mangel), einer Blutarmut und nach einem Eisen- bzw. Vitamin D -Mangel gefahndet werden. Auch die Möglichkeit einer depressiven Störung sollte berücksichtigt werden. In der Regel ist das Durchführen einer Gesundheitsuntersuchung (sog. Check-up) sinnvoll.

Häufig finden wir eine Übersäuerung (latente Azidose), die mittels Jörgensen-Titration im Blut gemessen werden kann. Sie entsteht durch chronischen Stress, Überlastung, ungünstige Ernährung und Bewegungsmangel. Durch eine Übersäuerung werden wichtige Stoffwechselfunktionen blockiert. Zudem kommt es oft zu einer Regulationsstarre, so dass rhythmische Stoffwechselvorgänge, z.B. Hormonausschüttungen, gestört sind.

Neuere Erkenntnis über die Funktion der Hormone und Botenstoffe im Nervensystem ermöglichen uns weitreichende Einblicke in die Entstehungsmechanismen von Erschöpfung und Müdigkeit sowie neue Behandlungsstrategien. Diesbezüglich kann ein Stressprofil, bei dem die Stresshormone in Speichel, Blut und Urin gemessen werden, oft weiterhelfen. Auch Störungen der Geschlechtshormone (v.a. des Progesterons) z.B. im Rahmen der Wechseljahre kann eine Rolle spielen.

Ein weiterer Auslöser für Erschöpfungserscheinungen ist eine Fehlfunktion der Mitochondrien, die “Kraftwerke der Zellen”. Die Mitochondriale Medizin beschäftigt sich mit diesem Krankheitsbild. Anhand von Blutwerten und einer Stoffwechselmessung kann der Grad einer Mitochondriopathie (Erkrankung der Mitochondrien) festgestellt werden. Mit der Orthomolekularen Medizin können relevante Vitalstoffe, u.a. B-Vitamine, Coenzym Q10 und L Carnitin aufgefüllt werden. Mit Hilfe des Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Trainings können kranke schwache “Zellkraftwerke” gegen frische Mitochondrien ausgetauscht werden.

Wichtig ist die Abgrenzung zu schwerwiegenderen Erschöpfungszuständen wie dem Burnout-Syndrom, der Depression und dem Chronic Fatigue Syndrome.

Die Rolle der Botenstoffe im Nervensystem

So führt zum Beispiel ein Mangel des Neurotransmitters Serotonin, der wichtig für die Signalübertragung von einer Nervenzelle auf die nächste ist, zu Erschöpfung, Müdigkeit, Verdauungsstörungen und Schmerzen. Mit pflanzlichen und chemischen Medikamenten sowie Nahrungsempfehlungen und Nahrungsergänzungsmitteln kann dieser Mangel gezielt ausgeglichen werden.
Weiterhin führt eine Störung der üblichen Cortison-Tagesrhythmik mit morgentlichem Gipfel beim Aufwachen und nächtlichem Tiefpunkt zu Störungen des Antriebs, der Aktivität und der Stimmung (häufig starke Gefühlsausbrüche), als auch zu Ganzkörperschmerzen. Infolge lang anhaltender Stressreaktionen können die Cortison-Vorräte im Körper verbraucht sein, und es kann ein schwerer Erschöpfungszustand (Burn-Out-Syndrom) resultieren. Mit pflanzlichen Medikamenten oder auch über die Gabe des Gelbkörperhormons Progesteron können oft die Cortison-Spiegel wieder angehoben werden.

Auch Schlafstörungen – seien sie nervös oder organisch bedingt – können zu Müdigkeit und Erschöpfung führen. Hier bietet sich eine gezielte Schlafdiagnostik an.

Eine kurze Zusammenfassung zum Thema Stress, Erschöpfung & Burnout finden Sie in unserem speziellen Flyer (Pdf-Dokument).

Ganzheitliche Therapie von Erschöpfungszuständen

Primär sollten ursächliche Ansätze erwogen werden, also das Beheben von Vitalstoffmängeln (z.B. Eisen, Vitamin B und Vitamin D), der Ausgleich von Hormonstörungen (z.B. Schilddrüsenunterfunktion und Progesteronmangel) und Störungen der Stresshormonbildung (Adrenal Fatigue Syndrom = funktionelle Nebennierenschwäche).
Manchmal spielen auch Störungen der Mitochondrien-Funktion eine Rolle – Mitochondrien sind die “Kraftwerke der Zellen”.
Wichtige pflanzliche Medikamente zur Behandlung von Erschöpfung sind Johanniskraut, Rosenwurz und Ginseng. Diese sollten allerdings nur in Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden. Bei Schlafstörungen helfen oft Extrakte von Baldrian, Passionsblume und Hopfen. Bei Unruhezuständen kann Lavendelöl verordnet werden.
Die Naturheilkunde arbeitet bei Erschöpfungszuständen vor allem mit Reiz-Reaktions-Verfahren, die durch gezielte Reize die Regulationsstarre auflösen sollen. Sinnvolle ärztliche Behandlungsverfahren sind Akupunktur, Magnetfeldtherapie und Ozon-Sauerstoff-Therapie. Ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Erschöpfung ist das moderne Zelltraining mittels Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training, einer Art “Hochgebirgstraining im Liegen”.
Als Selbsthilfestrategien bieten sich Aromatherapie, Kneipp-Anwendungen, Achtsamkeitsübungen und Entspannungstechniken an. Im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungskonzepts ist die Erarbeitung eines Therapieplans zu empfehlen, der aus verschiedenen Teilbereichen besteht. Es sollten Elemente aus der Bewegungstherapie und Stressbewältigungsverfahren enthalten sein. Zusätzlich sollten die Betroffenen geschult werden, wie sie ihre Kräfte schonen bzw. wiederauffüllen können. Im Bedarfsfall vermitteln wir Sie an geeignete Therapeuten weiter. In unserer Praxis besteht die Möglichkeit der ganzheitlichen psychosomatischen Mitbehandlung.

Wir beraten Sie gerne individuell über eine geeignet Diagnostik und ganzheitliche Therapie.

Johanniskraut wirkt antriebssteigernd und antidepressiv