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Gluten-Intoleranz (Zoeliakie, einheimische Sprue)

Unverträglichkeit gegenüber Getreideprodukte

Was ist eine Glutenunverträglichkeit?

Die Glutenunverträglichkeit ist eine Reaktion des Körpers auf Getreidekleber-Eiweiße (Gliadine, z.B. in Weizen, Dinkel und Roggen), die bis zu 50% des Eiweißanteils v.a. im Weizen ausmachen können.Gluten kann im Darm eine Entzündungsreaktion auslösen und damit klinisch Bauchbeschwerden und Durchfälle. In schweren Fällen kommt es auch zum Gewichtsverlust. In einigen Fällen stehen Darm-unabhängige Beschwerden im Vordergrund, z.B. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopf- oder Muskelschmerzen, Eisenmangel oder Aphthen (Geschwüre im Mund).

Die Diagnose kann mittels spezieller Blutuntersuchungen und einer Probeentnahme aus dem Zwölffingerdarm (im Rahmen einer Magenspiegelung) gesichert werden. Mit diesen Methoden lässt sich die schwere Glutenintoleranz, die sogenannte einheimische Sprue oder Zoeliakie, nachweisen bzw. ausschließen. Um den Zeitpunkt der Diagnostik sollte Gluten verzehrt werden. Bei Nachweis einer Zoeliakie muss lebenslang auf Gluten, also die meisten hier üblichen Getreideprodukte, verzichtet werden (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer, Kamut, Einkorn und Hafer). Insofern ist eine genaue Diagnostik entscheidend, denn eine solche Diät hat oft erhebliche soziale Auswirkungen. Zudem ist es wichtig, die schwere Glutenintoleranz vom Typ der Zoeliakie, bei der lebenslang streng auf Gluten verzichtet werden muss, weil es sonst zu schweren Entzündungen im Darm kommen kann, sicher von leichteren Formen zu unterscheiden.

Es sollte auf keinen Fall ein Gluten-Auslass ohne vorherige ärztliche Abklärung auf eine Zoeliakie erfolgen!!!

In sehr seltenen Fällen liegt auch eine Weizenallergie vom IgE-Typ vor, die mittels Pricktest (Hauttest) oder RAST aus dem Blut festgestellt werden kann.

Es gibt aber auch Menschen, bei denen die oben genannten Werte unauffällig sind, die aber dennoch Gluten nicht gut vertragen. Durch einen Auslassversuch kann diese sogenannte nicht-zoeliakische Glutenintoleranz oder Weizenunverträglichkeit nachgewiesen werden. Letztere beruht wahrscheinlich darauf, dass manche Menschen auf sog. Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) reagieren, die im Weizen angezüchtet wurden, um im industriellen Landbau die Schädlingsresistenz der Pflanzen zu verbessern. Bei diesen beiden leichteren Formen der Gluten- bzw. Weizenintoleranz werden meistens nach einer Karenzphase und nach begleitender Darmsanierung wieder gewisse Getreidemengen toleriert.

Davon abzugrenzen sind weitere Nahrungsmittelintoleranzen sowie das Reizdarm-Syndrom.

Wie wird eine Gluten-Intoleranz behandelt?

Nach einer genauen ärztlichen Diagnostik (und auf keinen Fall davor!) müssen die Gluten-haltigen Getreidearten Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Dinkel, Grünkern, Einkorn, Kamut und Emmer sowie deren Produkte konsequent gemieden werden. Dies ist nicht immer einfach, da viele Lebensmittel Getreide enthalten können, ohne dass es auf der Zutatenliste erscheint. Gluten kann man z.B. in der Deklaration “Pflanzeneiweißerzeugnis” versteckt sein. Am sichersten liegt man bei völlig unbearbeiteten Lebensmitteln und bei diätetischen Waren, die mit einer durchkreuzten Ähre als Zeichen für Glutenfreiheit gekennzeichnet sind. Spezielle diätetische Lebensmittel sind im Bioladen, dem Reformhaus und über den Direktversand der Hersteller erhältlich. Erlaubt sind folgende Getreide oder Getreide-ähnliche Rohstoffe: Mais, Reis, Quinoa, Amaranth, Hirse und Buchweizen.

Die meisten Patienten empfinden die Brotkarenz am unangenehmsten. Die über den allgemeinen Handel (Reformhaus, Naturkostladen) angebotenen Fertigprodukte sind geschmacklich inzwischen deutlich besser geworden. Allerdings gibt es diverse Backmischungen, aus denen Teigwaren selbst hergestellt werden können. Die besten Erfahrungen haben Betroffene mit selbst gebackenen Broten und Brötchen, die auch sehr schmackhaft sein können. Bestehen Zweifel bezüglich der Zusammensetzung eines Lebensmittels, sollte man immer auf die Zutatenliste schauen, den Hersteller fragen oder auf ein entsprechendes Diätprodukt ausweichen.

Fertigprodukte wie Majonnaise, Ketchup, Dressings u.ä. sollten gemieden werden, weil sie meist glutenhaltige Bindemittel oder Würze enthalten. Vorsicht ist auch bei konventionellen Süßwaren geboten. Auch hier gilt es, auf spezielle glutenfreie Produkte überzugehen oder die Süßigkeiten bzw. Backwaren selbst herzustellen. Zum Süßen eignen sich am besten frisches getrocknetes Obst oder in kleinen Mengen Honig oder Ahornsirup.

Die Durchführung einer glutenfreien Diät zieht eine einschneidende Umstellung der Lebensweise nach sich und ist daher, insbesondere am Anfang, nicht einfach. Das konsequente Durchhalten lohnt sich jedoch auf jeden Fall. Schon nach wenigen Wochen stellt sich Beschwerdefreiheit ein.Sollte dies nicht der Fall sein, ist die Diagnose zu überdenken bzw. nach weiteren Faktoren zu suchen: z.B. eine Darmflorastörung, ein Leaky Gut Syndrom oder weitere Nahrungsmittelintoleranzen.

Für die Diagnostik der Zoeliakie wichtig ist die Bestimmung der Transglutaminase- und Endomysium-Antikörper sowie ggf.auch der Gliadin-Antikörper im Blut. Sind diese unauffällig, sind weitere Nahrungsmittelunverträglichkeiten auszuschließen.